Samstag 14.05.16 | Terry Lee Hale

Terry Lee Hale ist gebürtiger Texaner und aufgewachsen in der Nähe von Seattle, hat während seiner fast vierzigjährigen musikalischen Laufbahn aber schon fast überall in den USA und anderswo gelebt. Nachdem der mit Hank Williams, Fats Domino und Johnny Cash sozialisierte junge Mann mit siebzehn Jahren anfing, eigene Songs zu schreiben und damit live in Seattle aufzutreten, lebte er in den 1970er Jahren unter anderem in San Francisco, Maine, Seattle, Colorado, Michigan und Chicago. Dort sammelte er weitere Erfahrungen als Livemusiker, heiratete zum ersten Mal und formierte 1977 mit seiner Frau Rebecca Sarow das Country/Folk-Duo "Hale & Sarow". Deren Debütalbum "Happy Songs" wurde 2013 als Tour-Edition auf CD wiederveröffentlicht. 1980 trennte sich Hale von seiner Frau und zog zunächst nach Mexiko, um die dortige Musikkultur auf sich wirken zu lassen. 1984 kehrte er jedoch nach Seattle zurück, wo er den Rest der Dekade in der langsam aufblühenden Musikszene verbringen sollte. Terry Lee Hale trat sowohl solo als auch in Bands auf, von denen die erste ein Trio namens "The Ones" war, bei dem Chris Adams Schlagzeug spielte und der zukünftige Grunge-Gottvater Jack Endino – noch vor der Gründung von Skin Yard – den Bass zupfte. Hale spielte unter anderem im Vorprogramm von Soundgarden, Screaming Trees, Young Fresh Fellows, Skin Yard und den Walkabouts, wobei ihn vor allem mit letztgenannten Folkrockern eine langjährige persönliche und künstlerische Freundschaft verbinden sollte. 1988 steuerte er auch einen Track zur wegweisenden Sub Pop-Kompilation "Sub Pop 200" bei und produzierte seine erste von insgesamt vier Cassetten im Selbstvertrieb. Als um 1992 der Grunge-Hype um Seattle immer heftiger zu werden begann, sah sich Hale nach Alternativen um und fand eine in der europäischen Musiklandschaft. Die deutschen Labels Normal Records und Glitterhouse waren auf den Singer-Songwriter aufmerksam geworden und veröffentlichten ab 1993 Alben des Musikers auf CD, wobei das Debüt "Oh What a World" mit Hilfe von Chris Eckman und Carla Torgerson von den Walkabouts eingespielt wurde. 2002 schloss Hale sich mit den Songwritern Joseph Parsons, Todd Thibaud und Chris Burroughs zur Gruppe Hardpan zusammen, die ein Album und eine Live-CD/DVD veröffentlichten. 2003 erschien eine Doppel-CD-Best-Of des Künstlers, gefolgt von den Soloalben "Celebration What For" und "Shotgun Pillowcase". "Proof of a Promise" erschien 2010 im Eigenvertrieb und enthielt ausschließlich Instrumentalstücke. 2013 arbeitete Hale dann mit der norwegischen Band Tunnel Tree zusammen und veröffentlichte eine limitierte 7"-Single mit den Songs She Makes Me und Shadow, im Herbst des Jahres gefolgt von seinem Soloalbum "The Long Draw", das erstmals auch auf Vinyl erschien. Terry Lee Hale lebt heute mit seiner zweiten Frau in der Nähe von Paris. 

Quelle: indiepedia.de

 

Die Songs auf “Bound, Chained, Fettered” sind Lektionen fürs Leben, wahre Geschichten, getragen von Hales emotionaler Stimme, die Hindernisse überwunden und Weisheit erworben hat. Es ist ein Album, das Bilanz zieht; ein Album, das die komplexen Zusammenhänge unserer Gegenwart zu erforschen versucht: “The fragile ties that bind, the heavy chains that hold us in place” - laut Terry Lee Hauptinspirationsquelle für sein neues Album. Die spärliche, aber immer noch detaillierte Produktion, verstärkt diese nachdenkliche Stimmung. Aber, was in den Liedern offenbart wird, ist letztlich positiv und menschlich. Hale geht es um Tiefe, nicht um bloße Wiederholung oder leichte Unterhaltung.
 
Um “Bound, Chained, Fettered” aufzunehmen, reiste Terry Lee nach Norditalien, um dort mit Produzent Antonio Gramentieri (Hugo Race, Dan Stuart) zusammen zuarbeiten, der vor allem für seine Arbeit mit Sacri Cuori bekannt ist: “Antonio is a fantastic arranger, guitarist and lap steel player. It has been years since I’ve worked with another guitar player and the timing really felt right for this new recording” - so Terry Lee.
 
Hale nahm alle Parts live zusammen mit Gramentieri in dessen Studio auf. So gelang es den beiden eine freie, ungezwungene Stimmung zu erzeugen. Für den Mix zeigte sich Matt Emerson Brown (Soft Hills, Trespassers Williams, The Walkabouts) verantwortlich. “I think this record is much more intimate and emotionally engaging than (my previous album) The Long Draw. Before I was the spectator, now I am the character” sagt Terry Lee.
 
Auch am Sound hat sich einiges im Gegensatz zum Vorgängeralbum “The Long Draw” geändert. Vielen der Songs unterliegen leichte Percussions und atmosphärische Geräusche. Ein subtiler Mix aus Piano, einer Hammond Orgel, dezentem Synthesizer-Einsatz, einer Bassclarinette, einem Baritonsaxofon, einem Mellotron und natürlich Gramentieri’s 6-saitigen Texturen, bildet die Grundlage für Hales nachdenkliche Geschichten.
 
Terry Lee Hale veröffentlicht seit mehr als drei Jahrzehnten seine Songs und Alben. Er wurde in Texas geboren, gilt weithin als einer der Paten der Seattle Szene (u. a. ist er der einzige Singer-Songwriter auf der bahnbrechenden 80er Compilation Sub Pop 200) und ist derzeit wohnhaft in Marseille. Sein Œuvre ist nicht bloß Americana, Roots-Musik oder Rock and Roll. Es umfasst all das natürlich, aber Hales Werk lässt sich nicht in Schubladen einordnen, ist - wie er selbst - ein echtes Original.
 
“Bound, Chained, Fettered” ist eine Sammlung aus neun musikalischen Vignetten. Mit jedem Song taucht Hale tiefer in die Geheimnisse und Geschichten des täglichen Lebens   ein: Der Titeltrack ist ein trauriger Blick auf die Hauptfigur des Albums und die Belastungen, die ihn beeinflussen. “The Lowdown“ ist ein kleiner Anstupser und Bestätigung, dass auch „digitale“ Beziehungen Bestand haben können. “Signed Blue Angel” ist ein Gedicht über den Tod, das von der achtjährigen Tochter von Terry Lee's bestem Freund verfasst wurde, mit einer Furchtlosigkeit, wie sie nur von einem Kind beschrieben werden kann. Mit “Reminiscent” und den letzten Textzeilen des Albums fragt Hale uns: “… why are you so damn hard to find?”.
 
“Bound, Chained, Fettered” zeigt Hale tief in den Stärken seiner Stimme und seiner Songs verankert. Wie immer scheut er sich nicht, emotionale und musikalische Grenzen auszuloten. Hale präsentiert mit “Bound, Chained, Fettered” ein elegantes, fesselndes und sein wahrscheinlich bestes Album bisher.
 
www.glitterhouse.com

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