Donnerstag 08.10.15 | Vortrag und Buchpremiere Werner Röhr "Kein Krieg mehr ohne uns!"

Beginn: 19.30 Uhr

Vortrag und Buchpremiere
Werner Röhr – Kein Krieg mehr ohne uns!

Die Debatte um die deutsche Kriegsschuld und der heutige Geschichtsrevisionismus


Spätestens seit 2011 verfolgen Vertreter des deutschen Nationalstaats im Windschatten von USA und NATO eine Politik des kooperativen Imperialismus für eine militärische Interventionsfähigkeit in Krisengebieten. Der Anspruch erheischt, freigesprochen zu werden vom Vorwurf, hauptverantwortlich für den Ersten Weltkrieg zu sein.
In der medialen Vermarktung der Leiden und Opfer der Völker im Ersten Weltkrieg ging es im Jubiläumsjahr 2014 nicht um die Ehrung der Toten und um eine künftige deutsche und europäische Friedenspolitik, sondern um die Umcodierung der Erinnerung der Völker an diesen Krieg. Mit den marktgängigen Produkten dieser Kampagne soll die deutsche Kriegsschuld 1914/18 als erledigt und der von der Bundesregierung verkündete neue deutsche Militäranspruch als gerechtfertigt erscheinen.
Werner Röhr, Autor des soeben erschienen Buches "100 Jahre deutsche Kriegsschulddebatte. Vom Weißbuch 1914 zum heutigen Geschichtsrevisionismus" rekapituliert einhundert Jahre deutscher Debatten über die Verantwortung für den Ersten Weltkrieg.
Angefangen vom Weißbuch 1914 über den "Weltkrieg der Dokumente" nach 1919 bis zur 1961 einsetzenden Fischer-Kontroverse, umreißt er diese Auseinandersetzungen, hinter die heutige Geschichtsrevisionisten wie Christopher Clark und Herfried Münkler zurückgehen. Dabei lenkt er den Blick von subjektiven Fehlentscheidungen der Militärs und Politiker auf die äußeren und inneren Kriegsursachen.
Nach der Analyse einiger erneut diskutierter Streitfragen zum Ersten Weltkrieg, an erster Stelle die deutsche Verantwortung, die Kriegsursachen und die deutschen Kriegsziele, wird sich der Referent abschließend der zentralen Frage nach dem Zusammenhang der medialen Weltkriegskampagne mit dem 2014 unüberhörbar (auch in militärischer Hinsicht) erhobenen neuen deutschen Führungsanspruch widmen.
Werner Röhr (*1941), Prof. Dr. phil., Historiker, bis 1991 Akademie der Wissenschaften der DDR, hat sich seit den 1980er Jahren vor allem mit Forschungen und Veröffentlichungen zur Faschismus- und Weltkriegsgeschichte einen Namen gemacht. 1993-2008 gab er das "Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung" heraus. Seit 1994 Professor für Philosophie an der Universität Zielona Góra (Polen). Veröffentlichungen u.a.: Abwicklung – Das Ende der Geschichtswissenschaft der DDR, 2 Bände, Berlin 2011/2012; Faschismusforschung im Spiegel der Kritik, Berlin 2014.

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