Donnerstag 30.10.14 | Los Santos

Ist es Country? Oder Western? Oder doch Latin, Cajun, Tex-Mex, Surf? Sind wir in Texas? Mexiko? Kolumbien? Hawaii? Fragen über Fragen, die Los Santos da mit ihrem neuen Album aufwerfen. Keine Frage allerdings: Die musikalische Gratwanderung ist ebenso ambitioniert wie gelungen. Surfing on the Río Grande eben. Ein Treck durch viele Staaten, noch mehr Landschaften und alle Wetter. Yee-haw!

Dafür legen sich die „fünf liebenswerten Landeier“ (Billboard) aus El Quinto Coño, Texas, mächtig ins Zeug: Akkordeon und Gitarre reiten voraus, Steel Guitar und Schlagzeug ziehen die Planwagen, der Gesang hält die Moral der Truppe zusammen. Mit Liedern über Liebe, Alkohol und das Leben jenseits von Grenze und Gesetz. ¡Sí señor!

“Surfing on the Río Grande“ ist ein Album, das uns träumen lässt. Von Prärie und Pazifik, von Albuquerque und Acapulco, von Sombreros und Surfboards. Ein Album, das mal nach Whisky, mal nach Tequila, mal nach Piña colada verlangt. Ein Album, das uns wilde Geschichten erzählt, aber auch Weisheit und Trost spendet. Wir müssen nur dem Player die Sporen geben. Oder sacht die Nadel zu Wasser lassen. Aloha.

Los Santos:
Elvis Brettschneider – electric guitars
Stefan Hiss – accordion, organ, vocals
Bernd Öhlenschläger – drums, percussion
Lucía Schlör – vocals
Winfried Wohlbold – steel guitar

 

Stefan Hiss (1965 in San Esteban, Tamaulipas, México)

Vor 25 Jahren noch war der Tequila-Schmuggel ein einträgliches Geschäft. Seither haben international operierende Banden den Transport dieser und härterer Drogen übernommen, das Risiko gefasst oder von Konkurrenten niedergemacht zu werden ist unkalkulierbar geworden. Die Entscheidung auf die Quetsche umzusatteln war für Stefan also folgerichtig. Auch da gibt es zwar Konkurrenz um den Thron des Akkordeonkönigs, zu Blutvergießen kommt es in diesen Auseinandersetzungen jedoch nur selten.


Winfried Wohlbold (1963 in San Bonifacio, Texas)

Es gibt nur eine Sache, die einem Kind in Texas früher beigebracht wird, als das Spiel auf der Pedal Steel Guitar: Das ist der Umgang mit dem sechsschüssigen Colt. Seit sein Daddy aber eines Tages im Zorn den Familienhund erschoss, hat sich Winfried von der Waffe entfremdet und sich gänzlich seinem Instrument gewidmet. Musikfreunde in aller Welt profitieren davon.


Bernd Öhlenschläger (1972 in San Bernardo, Chihuahua, México)

Aufgewachsen auf der abgelegenen Hacienda El Quinto Coño, musste Bernd bereits in seiner frühen Jugend Alambradas reparieren, Novillos kastrieren, Coyotes töten und Cimarrones zureiten. Dann fesselte ihn eine beim Duelo a Espada zugezogene Stichwunde für einige Wochen ans Bett. Langeweile trieb ihn dazu, komplizierte Kreuzrhythmen auf der Batería zu üben. Mit den so erworbenen Fähigkeiten hat er sich in die Corazones der Menschen gespielt.


Lucia Schlör (1970 in Santa Lucía, Texas)

Nach Jahren als Cowgirl, Rodeoqueen, Lassoartistin und mehrfache texanische Meisterin im Bullenreiten hat Lucia nun ein Auge auf eine weniger gefährliche, aber oft nicht minder schmerzhafte Tätigkeit geworfen: dem Singen von Countrysongs. Anders als viele andere Künstler dieses Genres kennt sie das raue Geschäft des Kühehütens genau. Dieser Hintergrund verleiht ihrem Schaffen große Tiefe.


Joscha Brettschneider (1989 in San José, Sonora, México)

In den Cantinas und Bars seines Heimatortes hat Joscha trotz seiner Jugend ein beachtliches Spielertalent entwickelt. Seine Geschicklichkeit im Umgang mit Würfeln und Karten brachte ihm allerdings häufig Probleme ein. So musste er immer wieder jenseits des Río Grande abwarten, bis sich die Lage zuhause beruhigt hatte. Heute setzt er seine Fingerfertigkeit beim Spiel der elektrischen Gitarre sinnvoll ein. Hinter der Bühne gilt das Pokerverbot.

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